Übergangsstellen

Wenn es wichtig wird, durchlässig zu werden, ruhig im Innersten, begebe ich mich an Übergänge. Als Zwischenreichsforscherin besuche ich Orte, an denen Kräfte einander berühren und doch nicht eins werden.

Der Stein formt. Das Wasser gibt nach. An der Kante kippt es, dreht sich, beschleunigt, wird Wirbel und Linie. Es legt sich über den Stein wie eine dünne Haut, zieht sich zurück, kommt wieder. Unter dem Rauschen bleibt das Leise: das Gleiten an einer Kante, das kurze Klirren von Kieseln, ein Gluckern, zartes Gurgeln. Licht flackert auf, bricht, wird hell, wird dunkel, und im Schatten glitzert es kurz, dunkelfunkel. Nichts bleibt gleich, alles geht weiter. Das Wasser trägt ab, rundet, höhlt aus, unmerklich und beharrlich. Das Wasser formt. Der Stein gibt nach.

Je länger ich das Mit- und Nebeneinander betrachte, desto mehr lösen sich die von mir so sicher gezogenen Linien. Es wird leicht, aufzunehmen und abzugeben, ohne klar trennen zu müssen. Ein Wissen wächst in mir, leise: dass Gegensätze bestehen können, ohne sich auszuschließen – wie das Wasser, das weiterzieht, und der Stein, der bleibt.