Vergeblichkeit – Ein Versuch, Worte zu finden für etwas, das sich dem Wort entzieht.

Sie kommt nicht im Bruch. Nicht im Streit. Nicht mitten in der Szene, wenn Stimmen laut werden und Sätze noch wie Waffen wirken.

Sie kommt danach.

Wenn niemand mehr diskutiert. Wenn keine Begründung mehr zählt. Wenn Stille bleibt und das Nachhallen größer ist als alles, was gesagt wurde. Dann steht dieser Satz im Raum, ohne dass ihn jemand ausspricht: Es hätte anders sein können.

Der Körper weiß es zuerst.

Ein Beben tief unten, als würde der Boden im Inneren einbrechen. Zittern im Mark. Eine Angst, die nicht schreit, sondern rüttelt – alt, geübt, aus einem Labyrinth von Narben aufsteigend. Die Luft reicht nicht. Ein Atemraum, der bricht. Ein Einziehen, das luftleer bleibt kein Ausatmen findet.

Vergeblichkeit ist kein Drama.

Sie ist das Wissen, dass etwas nicht nachholbar ist. Dass es keine zweite Kindheit gibt. Keine nachgereichte Sicherheit. Keine verspätete Hand, die sagt: Hier, ich halte dich.

Der Körper wird klein. Schutz suchend, eng unter sich selbst. Arme um den eigenen Brustkorb. Fingernägel im Fleischgedächtnis. Ein Reflex, der nicht fragt, ob er noch gebraucht wird.

Und gleichzeitig

Ein Herz in den Händen. Zu schwer. Zu wund.

Wie lässt sich etwas reparieren, wenn beide Hände voll sind, es überhaupt zu halten?

Zwischen den Fingern rinnt Blut. Beharrlich. Fast wie ein Beweis. Nicht Hoffnung. Nicht Trost. Nur der Beweis, dass es einmal Liebe gab. Und dass sie nicht gereicht hat.

Das ist keine Anklage. Es ist Ernüchterung.

Und Ernüchterung hat Körper: Schweiß, der rutscht. Ein Hall in der Wirbelsäule. Knie, die weg wollen. Ein Drang zur Flucht, ohne Ziel.

Der Kopf versucht es trotzdem noch: Nicht fühlen. Weiter. Mach etwas. Handy an los! Jetzt!

Aber irgendwann versagt der Befehl.

Dann bleibt Vergeblichkeit.

Nicht nur rückwärts. Auch vorwärts. Als leises Wissen, dass nicht jede Begegnung sicher ist. Dass nicht jeder Abschied möglich wird. Nicht ausgesprochen. Aber da.

Und dann kommt der andere Schmerz, stiller und schärfer:

Da war Mutterschaft, bevor verstanden wurde, wie sich Halt wirklich anfühlt. Da war Verantwortung, während im Inneren noch gesucht wurde. Und heute ist wieder Mutterschaft – anders. Mit diesem Wissen im Körper. Mit einem bewussteren Sein.

Es wird anders gehalten.

Nicht perfekt. Nicht reparierend. Oft ungeschickt. Aber wach und liebend.

Vergeblichkeit verschwindet nicht. Sie bekommt einen Platz. Sie wird nicht Zustimmung. Sie wird nicht schön. Sie wird Realität.

Und in dieser Realität muss nichts mehr erkämpft werden, was nicht da ist.

Das Herz liegt noch immer in den Händen.

Nicht heil. Nicht zerstört.

Warm.

Und schlagend.