Tankstellenmomente

Gestern war ich tanken. Zur Zeit ist das ja eher ein ernüchterndes Erlebnis.

Dabei mag ich Tankstellen eigentlich. Als Jugendliche habe ich an der Autobahntankstelle in Irschenberg gejobbt und war durchaus schnell zu einer das Wochenende versorgenden finanziellen Unabhängigkeit gelangt. Ich mag die Erinnerung an diese Zeit. An eine Zeit, in der man noch Kaugummipapier in Sicherungen gefriemelt hat 😊 Es war eine Zeit, die sich frei anfühlte und in gewisser Weise sorglos war. Manchmal leichtsinnig. Oder eben mit leichtem Sinn. Je nachdem, wie man es sehen will.

Jedenfalls tankte ich gestern, und meine Gedanken machten sich selbstständig. Nach meinem kleinen Ausflug in die Jugend kamen weitere Tankstellenmomente dazu.

Über die Jahre gab es einige.

Nächtliche Stopps. Tankpausen mit kleinen schlafenden Kindern auf dem Weg in den Urlaub. Eine so sagenhaft kostbare Fracht. Mich hat das Schlafen der Kinder und auch meines Mannes im Auto immer gerührt. In solchen Momenten lag so viel Vertrauen. Und plötzlich war ich schon mitten in all den Fahrten, die mit Aufbruch verbunden waren. Mit Vorfreude. Mit dem Gefühl, unterwegs zu sein und für eine Weile etwas hinter sich zu lassen.

Mit diesem Gedanken veränderte sich etwas. Nicht schlagartig. Sondern Mäusetapserchen für Mäusetapserchen.

Aus dem ersten Ärger wurde ein kleines, sanftes, herzumspülendes inneres Lächeln. Für einen Moment war da nicht mehr nur der hohe Preis, sondern auch die Erinnerung an dieses besondere Gefühl, das Unterwegssein manchmal mit sich bringt.

Unglaublich, wie viel von meiner Wahrnehmung an der inneren Haltung hängt. Die äußere Situation bleibt dieselbe. Die Zahl auf der Anzeigetafel stieg weiter. Eher Jaguarsprung für Jaguarsprung als Mäusetapserchen für Mäusetapserchen. Und doch kann sich mein Erleben verändern, wenn mein Blick nicht beim Ärger stehen bleibt, sondern sich für eine andere Deutung öffnet.

So wurde aus einem gewöhnlichen Tankstopp für mich eine kleine Erinnerung daran, dass Freiheit manchmal nicht mit einem Ortswechsel beginnt, sondern mit einem anderen Blick auf das Alltägliche.